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JVA Wolfenbüttel und Abteilungen

In der Stadt Wolfenbüttel, dem früheren Sitz des höchsten Braunschweigischen Gerichts, besteht, wie auch in Braunschweig, eine Justizvollzugsanstalt. Sie ist die ältere der beiden ehemaligen Gefangenenanstalten des Landes Braunschweig. Ihr ältester Gebäudeteil stammt noch aus dem Jahre 1506. Zunächst haben Herzog Heinrich der Ältere von Braunschweig (1495-1540) und sein Nachfolger, Herzog Julius (1568-1589) am Nordausgang der Festung Wolfenbüttel die Gebäudeteile errichtet, die ein Zeughaus und eine Münzwerkstätte aufnahmen. Herzog Julius hat diesen Gebäuden den Namen "Philippsberg" gegeben, der auch heute noch von Insidern benutzt wird, z.B. der Schachverein der JVA, der sich nach diesem benannt hat. Nachdem das Zeughaus in die Nähe des Schlosses verlegt war, wurden die Räume als Militärgefängnis und Lazarett genutzt.

Ab 1790 wurde die Anstalt eine Zwangsanstalt für Züchtlinge mit geringen Strafen. Nach wechselvoller Geschichte dieser Gebäude als Zwangsarbeitsanstalt für bettelnde Personen, als Zucht- und Werkhaus, diente es schließlich ab 1817 zur Aufnahme sämtlicher Karren- und Kettenhäftlinge des Landes Braunschweig. Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch die regional volkstümliche Umschreibung für jemanden, der in die Strafanstalt musste, "...zum Vater Philipp gehen". 1820 schließlich wurde mit dem Bau eines neuen Landesgefängnisses begonnen; so entstand auch das heutige "Alte Haus". Hier waren zunächst Gefangene in großen Zellen (10-12 Mann) untergebracht.

Haus 2
Haus 2

Schon im Jahr 1864 bekannte sich das Land Braunschweig zu dem Grundsatz der Einzelunterbringung, welcher im Braunschweigischen Gesetz über den Vollzug von Freiheitsstrafen vom 04.08.1864 festgelegt wurde. Infolge kriegerischer Ereignisse der damaligen Zeit konnte das geplante Zellengefängnis in Wolfenbüttel nicht fertiggestellt werden.

Das Gesetz von 1864 wurde durch das Reichsstrafengesetz von 1870 überholt. Es wurde trotzdem an dem Gedanken der Einzelunterbringung festgehalten und man erbaute das sogenannte "Graue Haus" (Haus I) welches am 01.11.1873 bezogen werden konnte.

1882-84 wurde der Bau eines "Tor und Verwaltungsgebäudes", eines zweiten Zellengebäudes, des "Roten Hauses" (Haus II) eines Wirtschaftsgebäudes, des Lazarett, des Dampfkessel- und Maschinenhauses sowie einiger weiterer Nebengebäude fertiggestellt. Die zwischenzeitlich eingerichtete Frauenstation wurde 1927 geschlossen.

Hinrichtungsstätte
Ehemalige Richtstätte

Nach Vergrößerung des landwirtschaftlichen Betriebes wurden in den Jahren 1935-1937 Stallungen für die Nutztierhaltung (Rinder, Pferde und Schweine) erbaut. Ebenfalls stammen aus dieser Zeit einige kleine Arbeitsgebäude und provisorische Arbeitsbaracken. Im Jahre 1938 wurde im Alten Magazin eine "Hinrichtungsstätte" (mit Fallbeil) mit den so genannten Todeszellen errichtet.

Nach Feststellungen von Historikern sollen die Nazis hier bis 1945 mindestens 516 Menschen hingerichtet haben. Nach Kriegsende, in der Zeit 1945-1947 fanden durch die Alliierten weitere 67 Hinrichtungen statt. Das Gebäude der "Hinrichtungsstätte" fand im Laufe der Jahre viele Verwendungszwecke und wurde im Jahre 1990 zu einer "Gedenkstätte" mit vielen Dokumenten, Listen und Bildern umgestaltet. Die Belegung der Anstalt betrug vor und während des 2. Weltkrieges bis zu 792 Inhaftierte. Nach dem Krieg wurde die zum Teil menschenunwürdige Belegungsdichte zunächst auf 600, dann auf 500 Haftplätze herabgesetzt und beträgt heute rund 397 Plätze.

Haus 5
Haus 5

1967 kam ein neues Zellenhaus, das sogenannte "Haus IV", dazu.

1974 und 1980 wurden zwei großzügige "Werkgebäude" bezogen, wodurch andere provisorische Arbeitsbetriebe umgelagert werden konnten.

Auf dem Gelände des ehemaligen Lazarettgebäudes, das abgerissen wurde, entstand ein neues Zellengebäude (Haus V) welches die Krankenabteilung und 100 Inhaftierte aufnahm und 1989 eingeweiht wurde.

1989 wurde "Haus II" geschlossen, saniert und im Oktober 1997 wieder eröffnet. Eine Sicherheitsstation mit 6 Haftplätzen wurde im Januar 1999 in Betrieb genommen,

sowie ab dem 01.01.2009 die Übergangsstation mit 24 Haftplätzen und ab dem 01.10.2010 eine sozialtherpeutische Abteilung mit 20 Haftplätzen.

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